Gesellschaftswissenschaften

Vorstellung des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften der Ernst-Schering-Schule.


Vier Fächer – ein gemeinsamer Blick auf die Welt

Der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften umfasst an der Ernst-Schering-Schule die Fächer Geschichte, Politische Bildung, Geografie und Ethik. Seit dem Schuljahr 2019/20 gehen wir in diesem Fachbereich bewusst eigene Wege – denn es ist unsere Überzeugung, dass sich die Erfahrungswelt von Schüler*innen nicht in einzelne Schulfächer unterteilen lässt. Ob Migration, Armut und Reichtum oder die Frage, was eine gerechte Gesellschaft ausmacht: Solche Phänomene begegnen jungen Menschen als Ganzes und werfen Fragen auf, die kein Fach allein beantworten kann.

Nach mehreren Jahren fächerverbindenden Unterrichtens hat die Fachkonferenz dieses Konzept in einem intensiven Entwicklungsprozess im Schuljahr 2025/26 weitergedacht. Das Ergebnis: Die vier Fächer werden wieder in eigenen Unterrichtsstunden erteilt – so gewinnen sie an fachlicher Klarheit und Tiefe. Der fächerübergreifende Grundgedanke bleibt dabei erhalten, denn die Inhalte sind über unser schulinternes Curriculum eng miteinander verzahnt.

Verzahnte Inhalte statt isolierter Fächer

Unser schulinternes Curriculum ordnet die Themen der vier Fächer so an, dass sie einander ergänzen und aufeinander Bezug nehmen. Jedes Fach folgt dabei seinem eigenen Lehrplan – doch wir haben die Inhalte bewusst so nebeneinandergelegt, dass sie miteinander ins Gespräch kommen. In Jahrgang 8 etwa beschäftigen sich die Schüler*innen im Fach Geschichte mit der Aufklärung sowie der Französischen und der Industriellen Revolution – also mit den historischen Wurzeln unserer heutigen Welt. Die Politische Bildung führt diesen Faden in die Gegenwart weiter und untersucht das Leben in der globalisierten Welt, während die Ethik zeitgleich fragt: Wie frei bin ich eigentlich, und welche Verantwortung folgt daraus? In Jahrgang 9 gehen die Schüler*innen in Politischer Bildung zunächst der Frage nach, wie Konflikte entstehen; die Geografie greift dies im zweiten Halbjahr auf und untersucht mit dem Klimawandel und dem Umgang mit Ressourcen zwei der drängendsten Konfliktursachen unserer Zeit – begleitet von der Ethik, die danach fragt, was richtiges Handeln ausmacht. Und in Jahrgang 10 wird die Ethik mit dem Thema Freiheit und Verantwortung zum Scharnier zwischen zwei Fächern: Während im Geschichtsunterricht die NS-Diktatur im Mittelpunkt steht, untersucht die Geografie die wirtschaftlichen Verflechtungen unserer globalisierten Welt – Verantwortung hat eben eine historische und eine sehr gegenwärtige Dimension. So entstehen Querverbindungen, die weit über einzelne Unterrichtsstunden hinausreichen.

Noch enger wird diese Verzahnung bei den fächerübergreifenden Modulen, die der Rahmenlehrplan vorsieht und die fester Bestandteil unserer Planung sind. Hier betrachten die Schüler*innen dieselbe gesellschaftliche Frage aus verschiedenen fachlichen Blickwinkeln – historisch, politisch, geografisch und ethisch. Einige Beispiele:

  • Jahrgang 7 – Armut und Reichtum: Im Fach Geschichte untersuchen die Schüler*innen Armut im Wandel der Zeit, in Politischer Bildung und Geografie geht es um Armut und Reichtum in der Gegenwart – und die Ethik fragt grundsätzlich: Was ist gerecht?
  • Jahrgang 8 – Migration: Das fächerübergreifende Modul „Migration“ wird in Politischer Bildung, in Geschichte (Migration im historischen Längsschnitt) und in Geografie (Migration und Bevölkerung) gemeinsam in den Blick genommen.
  • Jahrgang 9 – Konflikte und ihre Lösung: In Politischer Bildung analysieren die Schüler*innen, wie Konflikte entstehen und wie unsere Demokratie mit ihnen umgeht. Das Fach Geschichte liefert dazu die historische Tiefe – vom Ersten Weltkrieg bis zum Nahostkonflikt –, während die Ethik nach den Grundlagen fragt: Was ist gerecht? Und was macht den Menschen in der Gemeinschaft aus?
  • Jahrgang 10 – Europa und die Welt: Geschichte, Politische Bildung und Geografie beleuchten Europas Rolle in einer globalisierten Welt aus ihrer jeweiligen Perspektive; die Ethik begleitet dies mit den Fragen nach Freiheit, Verantwortung und Identität.

Auf diese Weise erleben die Schüler*innen, dass gesellschaftliche Themen viele Facetten haben – und lernen zugleich, mit den Methoden und Denkweisen der einzelnen Fächer sicher umzugehen.

Unterrichtsalltag und Organisation

In allen Jahrgängen stehen wöchentlich fünf Stunden gesellschaftswissenschaftlicher Unterricht auf dem Stundenplan. Dabei gilt:

a) Politische Bildung und Geografie werden epochal unterrichtet, also jeweils ein Halbjahr lang zweistündig. So können sich die Schüler*innen über ein Halbjahr hinweg intensiv auf ein Fach konzentrieren.
b) Geschichte und Ethik werden durchgängig das ganze Schuljahr über unterrichtet – je nach Jahrgang im Wechsel ein- oder zweistündig.

Damit die Verzahnung der Inhalte auch im Alltag gelingt, unterrichten in der Regel zwei, höchstens drei Kolleginnen alle vier Fächer in einer Klasse. Die Schülerinnen haben so feste Bezugspersonen, die den Überblick über sämtliche Themen des Fachbereichs behalten und Querverbindungen gezielt herstellen können. Vorbereitet und weiterentwickelt wird der Unterricht weiterhin gemeinsam: In multiprofessionellen Teams planen die Kolleg*innen der beteiligten Fächer die Unterrichtseinheiten, werten sie aus und überarbeiten sie fortlaufend.

Die Leistungen werden in jedem Fach eigenständig bewertet und auf dem Zeugnis separat ausgewiesen – so bleibt für Schüler*innen und Eltern jederzeit transparent, wo die Stärken liegen und wo noch Entwicklungsbedarf besteht.

Kooperationen, Projekte und außerschulisches Lernen

Unser aufeinander abgestimmtes schulinternes Curriculum erleichtert auch die Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern. So haben wir beispielsweise gemeinsam mit der Bildungsabteilung des Jüdischen Museums Berlin Bildungsformate entwickelt, die speziell auf unsere Unterrichtsthemen zugeschnitten sind. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Ein Museumsbesuch findet nicht zusammenhangslos an einem Wandertag statt, sondern fügt sich inhaltlich passgenau in den Unterricht ein. Der außerschulische Lernort Museum wird so für unsere Schüler*innen Teil ihrer alltäglichen Unterrichtserfahrung.

Dieses Prinzip zieht sich durch weitere feste Angebote des Fachbereichs: Rund um den Tag des Grundgesetzes holen wir Richter*innen an unsere Schule, die mit den Schüler*innen der Jahrgänge 9 und 10 ins Gespräch kommen – Rechtsstaat und Demokratie werden so nicht nur im Unterricht behandelt, sondern von Menschen vermittelt, die sie täglich mit Leben füllen. Im 10. Jahrgang gehört zudem eine Fahrt in die Gedenkstätte Sachsenhausen fest zum Programm: Sie vertieft die Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur aus dem Geschichtsunterricht an einem Ort, an dem Geschichte unmittelbar erfahrbar wird. Ergänzt wird all dies durch individuelle fachliche Exkursionen, mit denen die einzelnen Fächer ihre Themen immer wieder mit der Lebenswelt außerhalb des Klassenzimmers verbinden.

Noch Fragen? Wir helfen gern!

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